Wieder riss uns um kurz vor 5 Uhr der Wecker aus dem Schlaf. Richtig gehört, heute Nacht haben wir endlich einmal halbwegs regenerieren können.
Erneut das gestern erworbene Frühstück inhaliert, wurden die letzten Klamotten verstaut und eine Abwesenheitsnotiz für die Reinigungskraft verfasst.

Vorweg muss gesagt werden, dass sich das Erlebte auf diesem Trip nur sehr schwer mit Worten (und Bildern) wiedergeben lässt. Man muss es definitiv selbst gesehen und gefühlt haben.
Überpünktlich um kurz nach halb 6 wartete auch schon unser Kleinbus samt klapprigem Anhänger auf uns. Im Halbschlaf über die Straße gehuscht, begrüßte uns auch schon ein kauziger, älterer Herr und bat uns das Vehikel zu besteigen.

Dieser Herr sollte sich später als uns unser Busfahrer, Tourguide, Entertainer und Grillmeister in Personalunion herausstellen.
Mac betreibt Touren wie diese seit über 35 Jahren. Nicht nur sein unendliches Wissen über das australische Wildlife, auch seine offene, witzige, fast väterliche Art, lässt die Tour zu etwas ganz Besonderem werden!
Da wir die ersten Passagiere waren, fuhren wir erst durch halb Adelaide, um die restlichen Fahrgäste abzuholen.
Letztendlich kristallierte sich eine 14-köpfige Reisegruppe heraus. Diese war von quer über den Erdball zusammengewürfelt, machte aber einen insgesamt positiven ersten Eindruck.
Mac gab uns einen groben Überblick, was uns am heutigen Tag erwartet und setzte die rund zweistündige Fahrt zum Victor Habour in Yankanille fort, von wo aus wir mit der Fähre zu Kangaroo Island übersetzten.
Auf der Fahrt stellten wir uns einander kurz vor, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken und lauschten gespannt Macs Stories!
Der Weg zum Hafen ist schon wirklich wunderschön. Selbst für diesen Ausblick hat sich die Tour schon gelohnt. Kurz vor dem Ziel zeigten sich sogar die ersten Kängurus am Straßenrand.

Am Hafen angekommen, erfuhren wir auch, was sich im Anhänger des Busses befindet. Mehere Kisten mit unseren Lebensmitteln für die nächsten 36 Stunden, Teller, Besteck… Das volle Programm! Diese mussten selbstständig von uns auf die Fähre transferiert werden.

An Deck angekommen, ging es auch schon los.
Aus der Ferne sah man schon unser Ziel und es ließ sich bereits erahnen, welcher Traum von Natur uns erwartete.


Kangaroo Island liegt südlich von Adelaide, ist ca. 100 km lang und 50 km breit und wird von etwa 5.000 Einwohnern besiedelt, von denen wir quasi keinen Einzigen zu Gesicht bekommen haben.

Gefühlt hatten wir die Insel komplett alleine, was dieses Erlebnis so einzigartig machte!
Nach ca. 45 Min. Fahrt legten wir auf K.I. an und luden unsere Fracht in den Anhänger des neuen Busses vor Ort.
Nach einer halben Stunde machten wir den ersten Stop im Süden der Insel. Hier bot sich eine wundervolle Bucht mit beeindruckenden Felsen.

Der Pazifik ist an dieser Stelle besonders kalt, da das nächstgelegene Festland in der Antarktis liegt!

Das erste mal gestaunt, ging es rasch weiter.
Der nächste Halt war eine urige Honigfarm, wo wir kostenlos frischen Honig probieren konnten.

Auch das hauseigene Honigeis konnte überzeugen!

Da sich langsam die Mittagssonne zeigte, war es auch Zeit für unseren ersten Lunch!

Wir suchten ein mitten in der Natur gelegenes Camp mit Holzbänken und -tischen auf, wo wir unseren Container abladen konnten und das Mittagessen gemeinsam zubereiten können. Es wurde Salat geschnibbelt, Saucen vorbereitet und der Tisch gedeckt.
Die selbstproduzierten Wraps waren durchaus schmackhaft und stillten den ersten Hunger.
Als wir wieder den Bus bestiegen, ließ uns Mac jedoch noch einmal aussteigen. Unweit entfernt hatte sich doch tatsächlich ein Koala hoch oben in seinem Eukalyptusbaum breit gemacht.


Neben dem Beobachten dieses wunderbaren Geschöpfes gab es noch einen „kurzen“ Vortrag unseres Guides.

Zwar fiel die Trennung unseres flauschigen Freundes schwer, doch ging es nun endgültig weiter zum nächsten Ziel!
Nach einer längeren Fahrt erreichten wir Seal Bay!

Hinunter zur Bucht durften wir diesmal nicht auf eigene Faust mit Mac, sondern bekamen hier einen anderen autorisierten Guide, um die Seehunde aus der Nähe betrachten zu können.

Allerdings mussten wir trotzdem einen Sicherheitsabstand halten und nah zusammen bleiben, da Seehunde teilweise sehr unangenehm werden können. Die meisten lagen faul in der Sonne, einige wenige spielten oder nahmen ein Bad im Pazifik!

Gegen Ende kam uns ein Bulle sehr nah und verfolgte unsere Reisegruppe ein kurzes Stück. Die Panik legte sich aber schnell, gingen keinerlei Aggressionen vom Tier aus.

Diese Erfahrung reicher, ging es weiter mit dem Bus.
Beim nächsten Stop holte Mac plötzlich snowboardähnliche Bretter aus dem Anhänger und drückte jedem Passagier freudestrahlend ein Exemplar in die Hand.

Nach einem kurzen Marsch wurde klar, dass es sich um sogenanntes „Sandboarding“ handelt.
Zuerst musste der riesige Berg, passend „little Sahara“ genannt, erklommen werden, bevor es theoretisch mithilfe des Sandboards innerhalb weniger Sekunden wieder in die Tiefe gehen sollte.

Dies gestaltete sich allerdings als nicht so leicht wie gedacht. Nach der Beschleunigungsphase stoppte das Board jedesmal und stockte.

Aber auch die restlichen Mitglieder der Reisegruppe stellten sich nicht wirklich besser an, sodass wir den halben Berg wieder zu Fuß hinabsteigen mussten.

Als nächstes machten wir eine kurze Rast in Hanson Bay, wo uns ein unglaublich toller Strand, in einer Bucht, umringt von Felsen, und türkisblauem Wasser erwartete.

Wir betraten einen etwas abgelegenen Pfad, wo wir nach kurzer Klettereinheit ein noch schöneres Panorama vorfanden.

Diesen schönen Ort im Gedächtnis und auf der Kamera fesrgehalten, ging es weiter.
Mitten auf der Staße hielten wir nach kurzer Zeit erneut an und entfernten und ca. 50 Meter vom Straßenrand und erblickten zum ersten Mal die Namensgeber dieser Insel.

Minutenlang ließen sich eine Hand voll Kängurus aus nächster Nähe beobachten, bevor sie in die unendliche Weite davonhüpften.

Die Kängurus auf K.I. sind im Gegensatz zu ihren Verwandten auf dem Festland etwas kleiner und bestechen durch ihre schokobraune Farbe auf dem Rücken.
Langsam drehte sich der Uhrzeiger immer schneller, sodass wir beschlossen endlich in unsere Unterkunft zu fahren.
Es erwartete uns eine charmante kleine Farm, mitten im australischen Busch.
Mac zeigte uns unsere Zimmer. Halt… Unser Zimmer (!).
Tatsächlich sollten, bis auf zwei Pärchen, die ein Upgrade gebucht haben, alle Reisenden in einem engen 10-Betten-Zimmer schlafen. Dazu gab es genau EIN gemeinsames (offenes) Bad, in dem weder die Toilette, noch die Dusche abgeschlossen werden konnte.

Nach kurzem Schock wurde jedoch klar, dass alles andere überhaupt nicht zu dieser Tour gepasst hätte! Nur wir und die Natur. Kein Luxus, keine Privatsphäre, kein Handyempfang!
Eine Erfahrung, die man gemacht haben muss!
Es verging natürlich erstmal einige Zeit bis jeder in den Genuss kam, die Dusche aufzusuchen und sich bereit für das Abendessen zu machen.
Um Punkt 19 Uhr versammelten sich alle im Gemeinschaftsraum, um das Barbecue vorzubereiten.

Dies erfolgte nach dem gleichen Prozedere wie heute Mittag. Wir deckten ein, schnibbelten das Gemüse, während Mac den Grill anschmiss. Kurze Zeit später konnte das respektable Resultat begutachtet und vor allem verzehrt werden.
Nachdem alle satt waren, wurde aufgeräumt, gespült und sich kurz frisch gemacht für den letzten Punkt auf der Tagesordnung. Bzw. ist die Sonne längst untergegangen. So gingen wir noch auf eine nächtliche Entdeckungstour.
Durchgefroren ob der kühlen 12°C mit heftigem Wind machten wir uns, nur mit einer Taschenlampe bewaffnet, auf in die Dunkelheit!
Nach ein paar Schritten konnten wir immer wieder niedliche Wallabies entdecken, die im Lichtkegel verharrten und neugierig auf unsere Gruppe blickten.

Wirklich nah kam man allerdings nicht heran, sind die Tiere doch sehr scheu.
Etwas weiter hielten wir noch an einem kleinen See, wo wir einerseits die atemberaubende, nächtliche Geräuschkulisse des Wildlifes belauschen und andererseits den klaren Sternenhimmel bestaunen konnten.
Auf dem Rückweg haben wir uns noch fast verlaufen, da wir irgendwie unsere Reisegruppe verloren haben, aber kamen dennoch sicher in unserem Schlafsaal an.
Schnell die Gunst des leeren Bades genutzt und die Zähne geputzt, wurde es auch schnell ruhig im Zimmer und das Licht ging aus.
Wenige Minuten später wurde die Ruhe jedoch für die nächsten acht Stunden gestört. Einer unserer Mitreisenden hatte wohl etwas zu tief ins Glas geguckt und fing heftig an zu schnarchen! Man kann sich die Lautstärke vorstellen wie ein Mix aus einem startenden Flugzeug, einem Laubgebläse und einem Presslufthammer.
Nach etwa einer halben Stunde puren Terrors, hat jedoch die Erschöpfung dieses anstrengenden, aber wunderschönen Tages gesiegt und für den nötigen Schlaf gesorgt.
Den auch morgen steht ein straffes Programm bevor…
