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Sayonara Kyoto

„Pass doch auf mit deinem Rucksack. Du hast fast die Lampe abgerissen!“

Schon am frühen Morgen musste ich mich bereits dem Gemeckere meiner Freundin aussetzen. Zur Entschuldigung muss man sagen, dass sie sich wohl eine leichte Erkältung eingefangen hat. Hoffentlich hält sie noch die letzten Tage durch.
Des Weiteren ist in Japan alles etwas kleiner und niedriger. Menschen jenseits von 1,80m fühlen sich gelegentlich wie in einem Hobbitdorf und stoßen sich minütlich den Kopf.

Nachdem wir erwacht sind, wurden die Sachen zusammengepackt (hoffentlich haben wir diesmal alles) und gefrühstückt. Gestern haben wir uns wieder im Supermarkt eingedeckt.

Anschließend haben wir gemütlich ausgecheckt und sind zum Bahnhof gewandert. Das Abfahrgleis wurde schnell gefunden, sodass wir noch ein wenig auf einer Bank lungerten und schon nach wenigen Minuten ob des ständigen Gebimmel und Geklingel kurz vor dem Ausrasten standen. Das ist wirklich unerträglich!

Für die Fahrt nach Hiroshima mussten wir schon nach etwa 20 Minuten einen Zwischenhalt in Shin-Kobe zum Umsteigen einlegen. Da alle Züge aber auf die Sekunde pünktlich sind, brauchten wir uns keine Gedanken wegen der recht kurzen Umsteigezeit machen. Zumal wir nicht einmal das Gleis wechseln mussten.

So kamen wir nach weniger als zwei Stunden Fahrt im bequemen Shinkansen recht entspannt an. Der erste Eindruck war sehr positiv, da Hiroshima dem Anschein nach bei weitem nicht so voll wie Tokyo und Kyoto zu sein scheint.

Am Bahnhof angekommen, haben wir noch eine Kleinigkeit gegessen, da wir ja erst ab 15 Uhr in unser Hotel einchecken konnten. Die Japaner sind in der Hinsicht meist ziemlich streng.

Danach sind wir per Bahn zum Hotel gefahren.

Dort klappte auch alles problemlos und nachdem wir uns kurz ausgeruht haben, ging es noch einmal raus auf unsere erste Entdeckungstour.

Die Sonne in Hiroshima habe ich mir persönlich etwas strahlender vorgestellt, so regnete es doch den ganzen Nachmittag leicht.

Da bereits die Dämmerung eingetreten ist, haben wir uns nicht mehr die Mühe gemacht, mit der Bahn durch die halbe Stadt zu pimmeln, sondern sind zu Fuß die Hauptstraße unseres Viertels abgelaufen. Eine gute Entscheidung, da der Weg englang des Flusses mit den beleuchteten Brücken wirklich hübsch anzusehen war.

Nach wenigen Minuten erreichten wir das Friedensdenkmal Hiroshima, welches an den Atombombenangriff während des zweiten Weltkrieges erinnern sollte.

Am 6. August 1945 gab der amtierende US-Präsident Truman in Potsdam den amerikanischen Streitkräften den Befehl, die erste Atombombe in der Geschichte aus Kriegsgründen über der japanischen Stadt Hiroshima abzuwerfen.
Zu diesem Zeitpunkt war der zweite Weltkrieg in Europa bereits längst beendet und die japanischen Oberbefehlshaber signalisierten bereits, dass eine Kapitulation kurz bevor stünde.
Umso verwunderlicher, dass es trotzdem zu dieser verheerenden Tragödie kam.
Drei Tage später wurde noch eine zweite Atombome über der Kleinstadt Nagasaki abgeworfen.
Beide Angriffe zusammen rissen insgesamt rund eine Viertelmillionen unschuldige Zivilisten in den Tod, wovon etwa die Hälfte qualvoll an den Folgeschäden verstarb.

Das Friedensdenkmal stellt das 1915 erbaute Gebäude dar, welches als zumeist als Ausstellungsort für Handelswaren genutzt wurde. Wie durch ein Wunder, ist das Gebäude durch den Atombombenangriff zwar stark beschädigt, jedoch nicht zerstört worden. Teilweise liegen die einzelnen Trümmerteile aus Beton noch direkt neben dem Gebäude. Heute gilt das Areal als Gedenkstätte und wird im Volksmund „A bomb dome“ genannt.

Es ist schon ein bedrückendes Gefühl, genau an dem Ort zu stehen, wo sich ein solch historisches Drama abgespielt hat. Irgendwie, aber auch ein sehr ruhiger, harmonischer und besonderer Ort.

Etwas betroffen machten wir noch einen Abstecher in die nahegelegene Einkaufsstraße.
Auch hier ist diese geprägt durch viele grelle Leuchtreklamen und auffällig viel Weihnachtsdekoration!

Nachdem wir irgendwie Hunger auf Waffeln und warmen Kakao hatten, haben wir unser Glück in einer Mall versucht. Gefunden haben wir nichts, nicht einmal mehr den Ausgang. Minutenlang irrten wir wie aufgescheuchte Minions durch das Einkaufszentrum, bevor wir endlich wieder frische Luft atmen konnten.

Hungrig sind wir dann in einem Restaurant erst einmal etwas deftiges essen gegangen, bevor wir uns auf dem Rückweg noch eine heiße Schokolade (oder eher Schokotee) sowie eine volle Einkaufstüte aus dem Supermarkt gegönnt haben.