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Nervenkitzel beim Canopy

Leider ist heute schon unser letzter „richtige“ Tag in Costa Rica, ehe wir morgen wieder zurück nach San José fahren, um übermorgen in aller Frühe wieder gen Heimat zu fliegen.

Daher haben wir uns für den Abschluss noch ein ganz besonderes Highlight aufgespart. Monteverde ist nämlich auch bekannt für seine Canopy-Touren. Hier gibt es die längste Zipline Lateinamerikas.

Zwar gibt es hier in der Stadt mehrere Anbieter, aber unsere heutige Tour hebt sich nochmal von der Konkurrenz ab. Dazu später mehr…

Gastgeberin Grace hat uns heute Morgen wieder ein leckeres, frisches Frühstück zubereitet, sodass wir uns für das bevorstehende Abenteuer stärken konnten.

Wir haben bewusst nicht für die ganz frühe Tour um 7 Uhr entschieden, sondern für die um 10 Uhr, sodass wir ausschlafen und in aller Ruhe frühstücken konnten.

Auf dem Zimmer noch die letzten Sachen gepackt und los ging es. Dazu muss man sagen, dass wir bedauerlicherweise die Halterung unserer GoPro vergessen haben, mit dieser wir, laut unserer Recherche, die Kamera nachher am Helm hätten befestigen können und das Ereignis mitfilmen könnten. Schade!

Wir warteten dann vor dem Hotel auf den Tourbus, der uns um 10:15 Uhr hätte abholen sollen. Leider trudelte dieser erst mit 20-minütiger Verspätung bei uns ein. Aber so konnten wir uns wenigstens noch etwas sonnen. Das Wetter war heute überraschenderweise echt traumhaft, noch besser als gestern. Sonnenschein und kaum Wind!

Der Tourbus fuhr uns knapp 30 Minute noch höher und höher in die Berge bis wir ein Plateau erreichten, wo uns auch schon ein Mann in Empfang nahm. Da wir recht spät dran waren, verlief alles ein wenig chaotisch. Erst musste die Tour bezahlt werden und der Rucksack abgegeben werden.

Ein wenig Nervosität machte sich schon breit, sodass Kathrin vor der Bezahlung die Kreditkarte schon wieder einpackte, den Voucher vergaß und statt der Damen- die Behindertentoilette aufsuchte.

Danach wurden wir auch schon in unsere Ausrüstung samt Helm und speziellen Handschuhen gezwängt. Gefühlt war man mit 100 Seilen und Karabinerhaken übersäht.

Es folgte eine kurze Einweisung, bei der erklärt wurde, wie man sich während des Ziplinings verhält. Zum Beispiel hält man sich mit seiner „starken“ Hand an der Zipline fest und drückt diese nach unten, um zu bremsen. Mit der anderen Hand hält man die Seile am Körper auf Brusthöhe, die Füße werden überkreuzt.

Dann ging es auch schon zur ersten (Probe) Zipline.

Da wir relativ spät eintrafen, mussten wir uns recht weit hinten einreihen, was eine längere Wartezeit nach sich zog. So konnten wir uns das Geschehen aber schon ein paar Mal anschauen.

Irgendwann waren auch wir an der Reihe und absolvierten die erste Minizipline (ca. 25 Meter und 5 Meter über dem Boden).

Kathrin machte den Anfang, was schon sehr professionell wirkte. So hatten wir schonmal ein Gefühl dafür, wie stark und zu welchem Zeitpunkt man bremsen muss.

Die nächsten Ziplines waren schon ein wenig länger und anspruchsvoller. Als wir beide uns das erste Mal kurz austauschen konnten, stellten wir fest, dass es uns richtig Spaß macht!

Es folgten noch 1-2 Ziplines, eine Hängebrücke und ein neues Element. Hier stellte man sich rückwärts auf die Kante eines Abgrundes (etwa 10 Meter) und sprang nach hinten. Das befestigte Seil stoppte den Fall aber schnell, sodass es nur im ersten Moment etwas Adrenalin verbrauchte.

Allgemein muss man sagen, dass alles sehr professionell inszeniert ist, die Mitarbeiter an allen Stationen sehr nett sind und einem mögliche Nervosität nehmen und die Sicherheit absolut im Vordergrund steht.

Es folgte eine kurze Verschnaufpause, ehe es langsam zu den eigentlichen Highlights ging.

Die nächste Station war eine riesige und hohe Zipline, bei der wir fast einen Kilometer lang über den Baumwipfeln schwebten. War schon der Hammer!

Daraufhin wurden wir dann mit einem ATV minutenlang noch zu einem viel höheren Punkt gebracht.

Dort gab es an einer Station netterweise noch Wasser zu trinken, bevor man sich startklar für das vorläufige Highlight machte.

Es folgte die – mit 2 km Länge – längste Zipline Lateinamerikas! Vorher wurde jeder gefragt, ob man die Zipline in der bereits bekannten Position durchführen möchte oder auf dem Bauch liegend (Superman). Natürlich haben wir uns für den Superman entschieden, wenn wir schonmal hier sind…

Als wir an der Reihe waren, hatte man schon ein mulmiges Gefühl. Man befindet sich zig Meter über den Baumkronen des Regenwaldes und wird kopfüber in den dichten Nebel geschleudert. Das Ziel auf der anderen Seite kann man nicht im Geringsten erahnen. Daher kommunizieren die Mitarbeiter hier auch per Funk.

Ich war als erster an der Reihe und flog wie ein Vogel durch die Wolken. Da man hier nicht bremsen muss (und auch nicht darf!), konnte man den knapp zweiminütigen Flug in voller Länge genießen. Ein tolles Gefühl!

Auch Kathrin hatte ihren Spaß und schmetterte den einen oder anderen Urschrei in die Himmelspähre.

Es ging Schlag auf Schlag, sodass der zweite Supermanflug nur wenige Minuten auf sich warten ließ. Diesmal war die Strecke etwas kürzer, dafür sollte man hier die Arme ausbreiten, was noch einmal ein besonderes Gefühl von Freiheit vermittelte.

Im Anschluss folgte dann der entgültige Showdown. Der Endgegner der Tour war ein Bungeejump (Tarzan-Swing) aus 45 Metern Höhe.

Zu meiner Verwunderung, ließ sich sogar Kathrin die nötige Ausrüstung anlegen (O-Ton: „Ich kann mir das ja mal angucken…“).
Dazu muss man sagen, dass sie sich sonst noch nicht einmal auf eine normale Achterbahn traut. Von daher war ich total verwundert und beeindruckt, dass sie sich bis hierhin überwunden hat (sogar ohne Angst gehabt zu haben, laut eigenen Angaben).

Von weitem sah man dann schon den Turm für den Tarzan-Swing, der nur über eine Hängebrücke erreicht werden konnte.

Kathrin überlegte noch, ob sie sich wagt und schickte mich vor.

Ich wurde dann angehakt, kurzer Smalltalk, dann sollte ich in die Knie gehen. Das Nächste, an das ich mich erinnerte, war, dass das Türchen vor mir aufging und der Mitarbeiter mich in die Tiefe schubste.

Der Sprung übertraf alles, was ich bisher erlebt habe, das Gefühl war einfach intensiv krass. Als das Bungeeseil mich auffing, schwung ich noch 3 bis 4 Mal hin und her, ehe mich das Bodenpersonal herunterholte.

Völlig geflasht, musste ich mich erst einmal kurz hinsetzen und wartete auf den nächsten Springer.

Kathrin war hinter mir an der Reihe, ging sogar den Weg über die Hängebrücke, aber kehrte dann doch wieder um, als sie sah, wie ich in die Tiefe geschubst wurde. Verständlich…

Dafür erwartete sie mich an der Rezeption, wo wir unseren Rucksack abholten und die Fotos von heute auswählen konnten. Nach kurzer Wartezeit, bestiegen wir unseren Bus und erreichten unbeschadet unser Hotel.

Ziemlich erschöpft, ruhten wir uns kurz aus, bevor wir hungrig loszogen und in ein sehr hübsch gelegenes „Schmetterlingsrestaurant“ einkehrten, wo wir genüsslich speisten.

Anschließend wanderten wir nochmal zum Ortskern, um die letzte Möglichkeit auf Souvenirs auszunutzen und auf dem Rückweg noch ein Käffchen zu trinken.

Müde aber glücklich, nach einem tollen Tag, fielen uns wieder ziemlich früh die Augen zu.