• Beitrags-Kategorie:Japan

Arashiyama

Die erste Nacht in Kyoto ist überstanden. Das Mini-Apartment ist wirklich wunderschön. Trotzdem haben wir uns diesmal zeitig aus dem Bett gequält, denn heute stand ein straffes Programm auf dem Plan.

Obligatorisch verlief die Suche nach einer Frühstückslokalität recht beschwerlich. Nähe der Kyoto Station sind wir in einem Café fündig geworden.

In Nachhinein war dies aber die reinste Enttäuschung. Die auf Bildern suggerierten Figuren auf dem Kaffee suchten wir vergebens, ein Marmeladenbrötchen entpuppte sich als Sojabohnenaufstrich und Kathrins Geschmackssinn ließ sie nicht im Stich. Der „etwas fischige Geschmack“ ihres Tomate-Mozzarella Toasts kam daher, dass sich ein riesiger roher Lachs auf dem Baguette bequem machte.

Im Anschluss (mit noch mehr Hunger als zuvor) stürzten wir uns wieder ins Getümmel des Bahnhofs und marschierten zum Gleis.

Schnell in den maßlos überfüllten Zug gequetscht, erreichten wir unser Ziel in ca. 15 Minuten.

Angekommen folgten wir einfach der Masse auf der extrem engen Straße. Aber wir sind ja schon gewohnt, dass die Leute hier eher im Schneckentempo daherlatschen und alle 3,5 Sekunden für ein verwackeltes Selfie stehenbleiben.

Die Gegend war ziemlich hübsch anzusehen. Eine tolle Kulisse von Wäldern, Bergen, Tempeln und Flüssen. Die Menschenmassen trübten das Bild ein wenig!

Das Viertel Arashiyama ist scheinbar für drei Dinge bekannt:

1. Softeis in allen Variationen (später mehr)
2. Kimono (Kostüme der traditionell japanischen Geishas)
3. Von Menschen gezogene Ritschas, die natürlich auch noch in den engen, vollen Straßen entlang müssen.

Längere Zeit, aber wenige Meter später befanden wir uns auf einer Brücke. Meiner Nachfrage, ob man von hier aus die Brücke sehen kann, zu der wir wollten, erwiderte Kathrin, dass wir uns eventuell schon auf dieser Brücke befinden.
Toll, schon die erste Sache abgehakt. Aus der Distanz und ohne Menschenmassen sah die alte Holzbrücke mit Bergen und Wasserfall im Hintergrund schon ganz nett aus.

Unser nächste Ziel sollte der nahegelegene Monkey Forest sein.

Die Vorfreude hielt sich noch in Grenzen, da wir vor allem hier einen großen Andrang erwarteten.

Dies stellte sich allerdings als Trugschluss heraus, da hier ein Eintritt anfällt und es wohl nur ein erlesener Kreis schafft, den Gipfel auf 160 Metern Höhe zu erklimmen.

Der Anstieg war teilweise ziemlich steil und uneben. Eine gewisse Fitness ist hier daher unentbehrlich.

Irgendwann sind aber auch wir oben angekommen und entdeckten die ersten Makaken!

Die knuffigen Äffchen und die grandiose Aussicht auf Kyoto entschädigten für den recht beschwerlichen Aufstieg.

Wir machten eine Rast auf einer Bank und genossen den Moment. Ein etwas agressives Affenexemplar fand uns wohl recht interessant, suchte unsere Nähe und musste gelegentlich vob einem Mitarbeiter verscheucht werden.

Danach gingen wir in dieses Häuschen (Käfig), wo man etwas essen und trinken konnte. Außerdem hatte man hier die Möglichkeit, Nüsse und Obst zu kaufen, um die Affen von Innen durch das Gitter füttern konnte.
Man fühlte sich jedoch ein wenig wie im Zoo. Nur mit dem Unterschied, dass wir „eingesperrt“ sind und die Affen uns von draußen beäugen konnten.
Mein Versuch, einen Affen mit einer leeren Erdnussschale zu füttern, ist leider knapp gescheitert und mit mitleidigem Blick des Primaten quittiert.

Anschließend wagten wir den Abstieg. Diesmal aif der anderen Route. Diesen meisterten wir erstaunlich easy und konnten und ein Schmunzeln über die uns entgegenkommenden, keuchenden Bergsteiger nicht verkneifen.

Wieder auf dem Boden der Tatsachen angelangt, plagte uns nun ein leichter Hunger. Die Stände und Restaurants in der näheren Umgebung hauten uns nicht wirklich vom Hocker, sodass wir ein kleines, unscheinbares Restaurant in einer Nebenstraße aufsuchten.

Hierbei handelt es sich augenscheinlich um einen Familienbetrieb. Etwas chaotisch wirkend, mit Speisekarte auf der Wand, machte es aber einen durchaus charmanten Eindruck.
Man konnte sich hier sogar ganz gut auf Englisch verständigen. Dies ist kurioserweise nicht üblich in Japan. Selbst in der Touristenmetropole Tokyo musste man eher in Zeichensprache kommunizieren.
Lustigerweise ist den Japanern aber völlig gleichgültig, ob du japanisch sprichst oder nicht. In der Regel quatschen sie dich trotzdem ohne Punkt und Komma voll, obwohl du ihnen nur Fragezeichen entgegenwirfst. Aber ein Lächeln kriegt man trotzdem immer gratis dazu!

Jedenfalls war das japanische Curry exellent und gut gestärkt ging es weiter zum nächsten Ziel auf unserer Liste. Dem berühmten „Arashiyama Bamboo Grove“.

Einigermaßen – trotz erneut krassen Menschenmassen – angekommen, gingen wir hinein in den beeindruckenden Wald voller dicht aneinandergereihten Bambusstämme, welche kaum Lichtstrahlen durchließen. Ein schönes Erlebnis!

Leicht erschöpft ging es zurück zur Hauptstraße, wo wir uns noch eines der hier berühmten Softeis gönnen wollten. Auf dem Hinweg hatte gefühlt jeder Laden eine riesige Plastikeistüte draußen stehen, aber irgenwie haben wir jetzt nur noch welche mit Matscha, Honig, Kirschblüte oder alles gemixt gefunden.

In einer Nebenstraße wurden wir fündig. Hier gab es die Sorte „Milch“. Hat fast 5 €uro gekostet, weil da noch so ein komischer Bärchenkeks dabei war und schmeckte eher wie Oma unterm Arm. Zu allem Überfluss hatte mein Keks ein eingebackenes Haar…

Danach sind wir zurück zur Kyoto Station gefahren und haben den hiesigen, gigantischen, siebenstöckigen Elektromarkt erkundet. Hier gab es wirklich alles, was man sich vorstellen kann.
Nur halt nicht, was man gerade sucht!

Inzwischen setzte langsam die Dämmerung ein. Daher machten wir noch einen Abstecher zum beleuchteten Kyoto Tower.

Anschließend bewegten wir uns erstmal zum Hotel, um uns ein wenig auszuruhen nach über 27.000 zurückgelegten Schritten.

Da der Magen aber wieder knurrte, machten wir uns am Abend noch einmal zu einem der hier traditionell ansässigen Yakitori-Restaurants auf.

Hier saßen wir direkt vorne am Tresen und konnten den Köchen beim Grillen zuschauen.
Man konnte sich diverse Spieße auf der Karte auswählen, auch mehrmals bis man satt war. Wir kamen auf 14 Speiße und zwei Schalen Reis!

Auf dem Rückweg haben wir uns noch im Supermarkt mit Frühstück für morgen eingedeckt, um uns die nächste Enttäuschung zu ersparen.

Zuhause ging es noch unter die Dusche und ins Land der Träume.

Das mysteriös verschollene Ladekabel wurde übrigens gefunden und wird am Freitag von uns in Tokyo abgeholt!