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Corcovado – Am Ende der Welt

Wieder startete der Tag ziemlich früh. Aber da wir gestern schon früh schlafen waren, fühlten wir uns relativ fit.

Etwas verschlafen wurden die Klamotten zusammengepackt, um danach auszuchecken.

Um zum Domestic Airport zu gelangen, haben wir uns per App bequem ein Uber bestellt, welchen keine zwei Minuten später vor unserer Nase stand. Bezahlt wurde auch im Hintergrund per PayPal (keine 3€ pro Person), sodass wir einfach nur einsteigen mussten und die 30 minütige Fahrt über uns ergehen ließen. Der nette Fahrer zeigte uns noch die eine oder andere Sehenswürdigkeit während wir uns durch den zähen Berufsverkehr quälten.

Dennoch erreichten wir pünktlich den Miniflughafen. Nachdem wir dem Fahrer noch ein kleines Trinkgeld gaben, rief dieser uns noch einmal zu sich, um uns ein paar Bonbons zu überreichen und uns eine schöne Reise zu wünschen.
Da Kathrin die Leckereien jedoch für potentielle Drogen hielt, haben wir diese am Flughafen zurückgelassen.

Unser heutiges Reiseziel ist die Osa Halbinsel im Südwesten Costa Ricas, genauer gesagt der Corcovado Nationalpark.

Der Corcovado Nationalpark gilt einer der schönsten Nationalparks des Landes und sogar als der Ort mit der höchsten Biodiversität weltweit. Er ist einer der letzten Regionen auf unserer Erde mit echtem Primärwald. Der Regenwald hier ist also noch weitesgehend unberührt und mehrere Hundert Jahre alt.

Bei unserer Recherche im Vorfeld haben wir nur Positives über dieses den Nationalpark gelesen. Einziger Haken an der Sache war nur die beschwerliche Anreise. Dies ist der Grund, warum die meisten Costa Rica Reisenden Corcovado meiden. Aber wir wollten unbedingt dorthin, egal wie steinig der Weg sein würde. Wir entschieden uns, von San José aus bis Puerto Jiminez zu fliegen, anstatt acht Stunden mit dem Bus quer durch Costa Rica zu fahren. Kostet zwar etwas mehr, aber Zeit ist ja bekanntlich auch Geld.

Nun saßen wir gemütlich am Flughafen und warteten auf unseren Flug. Bei der Gepäckabgabe wurden wir mitsamt unserem Handgepäck gewogen. Eine Sicherheitskontrolle erfolgte nicht.

Wir wunderten uns schon, dass wir die einzigen Menschen im Flughafen abzüglich Personal waren. Wir wurden dann in einen separaten Raum geführt, wo uns ein Video mit den üblichen Sicherheitshinweisen vorgespielt wurde. Danach sind wir zusammen mit den beiden Piloten zu unserem Flieger gelaufen. Der Co-Pilot erklärte uns noch, dass die Flugzeit ca. 40 Minuten betragen wird und dann ging es auch schon los.

Wie wir bereits vernuteten waren wir tatsächlich die einzigen Passagiere an Bord und nahmen direkt hinter dem Cockpit Platz. Für einen privaten Rundflug über Costa Rica waren die Flugtickets wirklich spottbillig.

Ein bisschen skeptisch war uns jedoch schon zumute mit dieser Minimaschine zu fliegen. Man merkte wirklich jeden Windstoß und vor allem der Beginn war schon ziemlich turbulent.

Nach einer Weile hat man sich aber daran gewöhnt und konnte die beeindruckende Aussicht über Costa Rica genießen. Faszinierend, dass hier wirklich alles grün ist und man außerhalb von San José kaum Zivilisation ausmachen kann.

Den Landeanflug konnte man genau verfolgen und dem Piloten über die Schulter gucken. Im Nachhinein war das schon ein tolles Erlebnis, auch wenn wir froh waren, wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren.

Am Flughafen Puerto Jiminez (der noch kleiner war) angekommen, schauten wir uns schon nach unserem bestellten Fahrer um. Wir hatten nämlich erst den ersten Schritt unserer Reise nach Corcovado absolviert.

Im Vorfeld hatten wir überlegt, mit einem Kleinbus gut zwei Stunden bis nach Carate zu fahren, und uns dann die letzten 3 km bis zu unserer Unterkunft abholen zu lassen.

Allerdingt kommen die Colectivos nur zwei Mal pro Tag. Und auf vier Stunden lang am „Flughafen“ rumzupimmeln, hatten wir ehlich gesagt keine Lust.

Also ließen wir uns von einem älteren Herren per Geländewagen abholen. Die Fahrt zur Unterkunft dauerte ca. 1,5 Stunden und war wirklich nicht so leicht zu bewältigen. Befestigte Straßen waren eher die Ausnahme. Wir fuhren über Felsen, durch Flüsse, steil bergab, steil bergauf…
Besonders die letzten 3 km waren eine echte Herausforderung für den Wagen.

Auf dem Weg konnten wir jedoch wieder unser beliebtes Spiel aus Australien spielen. Tier oder Klumpen. In den Bäumen vermuteren wir, ein paar Affen gesehen zu haben. Es könnte sich theoretisch aber auch nur um irgendwelche Klumpen gehandelt haben.

Einmal stoppte unser Fahrer jedoch, um uns einen kleinen Howler Monkey zu zeigen. Allerdings war er der einzige der den Affen erblickte. Wir taten einfach höflich so, als hätten wir den auch gesehen. Wenn hier jemand einen Affen sieht, bitte melden!

Irgendwann kamen wir endlich in der Luna Lodge an, wurden herzlich begrüßt und bekamen die üblichen Informationen.

Auf die Frage, ob wir bereit sind, zu unserem Zelt (ja, wir zelten hier mitten im Urwald) zu wandern, haben wir gesagt, dass dies kein Problem sei und wir auch keine Hilfe benötigen.

10 Minuten später schlichen wir noch immer die unendlich wirkenden Treppenstufen hinauf. Auch die arme Hotelmitarbeiterin war schon völlig am Ende mit ihren Kräften.

Oben angekommen, begutachteten wir erst einmal unser neues Zuhause für die kommenden drei Tage und ruhten uns ein wenig von den Strapazen aus.

Danach haben wir strategisch klug ein paar Sachen zusammengepackt, um nicht allzu oft die Treppen hinauf latschen zu müssen.

Unten angekommen, gab es schon Mittagessen. Die vegetarische Lasagne mit Salat war sehr lecker.

Nach dem Essen haben wir uns an den Pool gelegt und kamen endlich etwas zur Ruhe.

Im Anschluss erkundeten wir noch etwas die Hotelanlage. Der freundliche Wachhund Osa begleitete uns auf Schritt und Tritt.

Wieder zurück an der Rezeption, fragte uns ein Mann, ob wir das Faultier gesehen haben. Als wir dies verneint haben, zeigte er uns die Stelle, unweit der Rezeption.

Tatsächlich entdeckten wir hochoben im Baum eine Faultiermama samt Baby. Minutenlang streckten wir unsere Hälse gen Himmel, ehe wor direkt gegenüber Geräusche und Bewegungen vernommen haben.

Diese sind auf eine Gruppe von Spinnenaffen zurückzuführen, die in den Bäumen von Ast zu Ast schwungen. Leider setzte die Dämmerung schon ein, nicht optimal für schöne Fotos. Auch zwei Tukane konnten wir an anderer Stelle gut beobachten.

Wieder zurück, begaben wir uns auch schon langsam zu Abendbuffet, welches ebenfalls vorzüglich war.

Mithilfe unserer Handytaschenlampen ging es bei völliger Dunkelheit wieder die Treppe zu unserem Zelt hinauf.

Mit uns hat sich ein blinder Passagier in Form eines riesigen Schmetterlings mit ins Zelt geschlichen. Da dieser wie wild umherflatterte, habe ich ihn mit meinen Schuhen eingefangen und in die Freiheit entlassen.

Dies hätten wir uns aber sparen können, da sich um die Lampe im Bad eine ganze Armada von Insekten versammelt hatte.

Die Dusche tat trotzdem gut und schon kurz vor 21 Uhr fielen uns die schweren Augen zu.